Europa Hitparade von Europa/Miller

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Moderator: Manfred

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rasira
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Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von rasira » Freitag 14. März 2014, 11:04

Eine extrem langlebige Kompilationsserie gab es aus dem Hause Europa/Miller. Ich spreche von der "Europa Hitparade", welche von 1972 bis mindestens 1989 verausgabt wurde. "Europa" stand hierbei nicht für Hits aus "Europa", sondern schlicht für den Namen des Plattenlabels. Auf den Platten befinden sich deutschsprachige Coverversionen internationaler und deutscher Hits der jeweiligen Zeit. Am Anfang, also 1972 und 1973, wurden auch noch einige englische Titel mit auf die Platten genommen. Jedoch schon im Laufe des Jahres 1973 ging man dazu über, ganz auf deutschsprachige Lieder umzustellen. So blieb es dann auch bis in die späten 80er-Jahre als 1987 die Ausgabe Nummer 63 erstmals wieder einige englische Titel mit beinhaltete. Bis zur laufenden Nummer 51 sind mir sowohl LP als auch MC-Ausgaben bekannt, ab der Nummer 52 nur mehr MC-Ausgaben.
Die Plattenhüllen zierten durchwegs hübsche junge Damen, je nach Zeitgeist mal weniger mal mehr bekleidet, immer aber sehr schön anzuseh'n. :wink: Dargeboten wurden alle Werke durch das Orchester Udo Reichel und die Hiltonaires, später durch ungenannte Sänger. Aufmerksam wurde ich auf die Reihe durch mein Interesse an den Europa-Hörspielen der 70er-Jahre. Eine ganze Reihe von Musiksequenzen aus diesen Hörspielen stammen ursprünglich aus vollständigen Liedern, welche auch auf den besagten Kompilationen zu finden sind. Hierbei handelt es sich um Auftrags/Eigenkompositionen aus dem Hause Europa unter dem Alias "Bert Brac" (zum Teil auch andere Namen). Fast alle Ausgaben der Serie wurden mit ein bis zwei solcher Titel aus dem eigenen Hause günstig "aufgefüllt". Die Serie ist ausserdem interessant für Sammler seltener Coverversionen, dabei wurden jedoch ausschliesslich bereits existierende Coverversionen nachgesungen, d.h. eigene Übersetzungen wurden nich kreiert.

Lange Rede, gar kein Sinn - hier nun meine Fragen zu der Serie:
Mir liegen die Ausgaben 1 bis 68 vor, weiss jemand eventuell von weiteren Nummern?
Wer verbirgt sich hinter dem Studioorchester Udo Reichel? Gab es Udo Reichel tatsächlich oder war es nur ein Alias für alle möglichen Künstler, ähnlich wie "Bert Brac"?
Wer weiss etwas über die Sänger?

Danke schon mal in voraus.
Marc

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Jan R.
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Jan R. » Samstag 15. März 2014, 00:15

Bert Brac war kein eigentliches Sammelpseudonym. Im wesentlichen war das der Hamburger Musiker Carsten Bohn (Frumpy, Bandstand). Er ist auf über 170 Europa-Hörspielkassetten zu hören - bis auch andere, u.a. Heikedine Körting, damit begannen, sich dieses Namens zu bedienen. Das führte dazu, dass die Tantiemen nicht mehr sauber zugeordnet werden konnten.
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Spremmi
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Spremmi » Samstag 15. März 2014, 13:52

Hallo,

bei "Udo Reichel" soll es sich um Frank Valdor, einem Bandleader, der mindestens ab Ende der 60er Jahre in verschiedenen Musikverlagen und -Labels, vor allem aber bei Europa und auch dem ebenfalls aus dem Hause Miller angeschlossenen Somerset-Label etliche Platten herausgebracht hat.

Unter den Sängern der "Europa Hitparade" gibt es etliche Aufnahmen u. A. von Susi Dorree. Viele der als "Vocal Production" bezeichneten Aufnahmen auf den Europa-Hitparaden sind zumindest in der Anfangszeit aber auch auf anderen Billiglabels, z. B. Melodisc, Clear-Sound usw veröffentlicht worden. Ich verfüge über eine Unmenge solcher Platten, habe aber bis jetzt noch keine Zeit gefunden, einmal die einzelnen Versionen der Titel zu vergleichen. Aber ich gehe davon aus, dass nicht jedes Billiglabel die Schlager jeweils in einer eigenen Version herausgebracht hat, sondern sich vielmehr aus einem oder mehreren Pools bedient hat, so dass es wahrscheinlich wesentlich weniger Coverversionen eines Titels gegeben hat als Labels, auf denen er veröffentlich worden ist. Was aber auf jeden Fall das besondere an den "Europa Hitparaden" im Gegensatz zu den Schlager-Kompilationen anderer Billiglabels war, war auf jeden Fall, dass auf den Europa-Hitparaden eben auch immer mehrere eigene Titel mit enthalten waren.

Beste Grüße

Christian

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RF-Musiker
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von RF-Musiker » Samstag 15. März 2014, 23:34

Mal eine Frage, kann es sein, dass manche Coverversionen aus Osteuropa sind? Bei manchen Titeln der etwas früheren Europa Hitparaden meine ich, einen gewissen Akzent rauszuhören.
Interessant ist ja, dass die Firma "Countdown" das Märchen von der Countdown Coverband erfand, obwohl den Aufnahmen eindeutig anzuhören ist, dass es Coverversionen verschiedenster Quellen sind.
Auf irgendso einer Coverversionsplatte gab es eine Version von "Ich liebte ein Mädchen", das von einem Karl Dall Imitator gesungen wurde - nun ja, da ja Karl Dall bei Insterburg & co war, hätte es ja sein können...
Irgendwo ist auch noch eine Billig Platte von Silber Hit, auf welcher aber neben 8 Schlagern noch 4 Countrystücke sind, Füllmaterial...
Verwandt mit dem Thema sind die Coverversionen, welche man aus Devisenmangel in der DDR rausbrachte. Recht aufwändige Produktionen, da gab es dann Thomas Lück statt Chris Roberts, Tamara Danz statt Kim Carnes, Molly Sisters statt LUV, Scirocco statt Smokie, Regina Thoss statt Katja Ebstein, Gerd Michaelis Chor statt ABBA usw.
Liebe Grüße
Ronny F

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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Spremmi » Sonntag 16. März 2014, 14:19

Hallo,

das mit den Ostversionen auf Europa und anderen westdeutschen Billiglabels glaube ich nicht. Wenn da das eine oder andere aus dem Ausland drauf sein sollte, dann vielleicht eher aus Österreich oder auch aus den Niederlanden. Zwar wurden auch in der DDR immer wieder Westtitel gecovert, ganz massiv in den 70er und 80er Jahren. Aber das waren dann meistens dort sehr bekannte Interpreten, die dann auch immer namentlich auf Cover und Label genannt wurden und mit diesen Aufnahmen dann auch oft im dortigen Radio auftraten.

Das Ausfüllen mit anderen Musikgenres hat übrigens nicht nur Silberhit gemacht, das gab es auch auf späten Starlet- oder Weltmelodie-Schlagerplatten. Da hieß es dann z. B. "Schlagerparade mit dem Orchester King Royal und den Olympic Singers". Eine Plattenseite enthielt dann oft die üblichen Schlager aus den Charts, natürlich nachgesungen, die andere Seite war dann Easy Listening. Die einzelnen Tracks tauchten dann auch oft unter anderen Interpretenbezeichnungen auch auf anderen Platten auf.

Und dass man den gleichen Interpretennamen für ganz verschiedene Musikstücke hatte, kann man z. B. auch bei der "Hit-Revue" von Populär erkennen. Das war eine Serie von mindestens 20 LPs, die so zwischen 1971 und 1973 oder länger erschienen sind. Das war dann so der übliche Schlagermix, und drauf stand "es singt und spielt die All-Star Crew".

Beste Grüße

Christian

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RF-Musiker
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von RF-Musiker » Sonntag 16. März 2014, 22:16

Eine weitere interessante Art Coverversionen gab es zum Beispiel auf den Ariola Doppel-LPs "24 Hits des Jahres".
Diese hatten Aufnahmen der Label, die im Ariola-Vertrieb waren, also praktisch BMG.
Dabei gab es Coverversionen, weil z. B. Howard Carpendale eben bei EMI Electrola und Vader Abraham bei Philips war.
Aber es gab auch die Kuriosität, dass Andrea Jürgens als Ariola Künstlerin ein weniger bekanntes Lied sang, dafür jemand ein bekanntes Lied von ihr coverte und auf dem Titel der Eindruck aufkam, dass auch eine Aufnahme enthalten ist, die so nicht enthalten war.
Irgendwie war es wohl billiger und zudem lohnenswert, ist ja nicht die Schuld der Plattenfirma, dass wenn auf der Plattenhülle an einer Stelle der Name von Andrea Jürgens steht, an anderer Stelle ein sehr bekannter Titel von ihr und der dumme Kunde nun denkt, dass dies einen Zusammenhang hat...
Liebe Grüße
Ronny F

Spremmi
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Spremmi » Montag 17. März 2014, 00:35

Hallo,

also, was die "Dummheit" der unden angeht, da haben sich die damaligen Billiglabels offenbar auch angestrengt, und zwar mit Namen, die rein zufällig so ähnlich klangen wie die original-Künstler-Namen. Da gab es z. B. bei dem Label Top Hit (Metronome) einen Cliff Gerhard, der Cliff- RichardTitel nachsang, oder Tino di Elba, der was von Peppino di Capri coverte. Perl-Serie machte damals eine Reihe tten mit der "James West Bigband" - gewisse Ähnlichkeiten mit James Last waren rein zufällig und völlig beabsichtigt.

Beste Grüße

Christian

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RF-Musiker
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von RF-Musiker » Montag 17. März 2014, 01:59

Ich hatte mal eine CD mit einem MIx aus Original und Cover, die Zielgruppe war klar - Großeltern, die ihrem Enkel was gutes tun wollten und halt dachten, sie hätten was falsch verstanden.
Da waren leicht umbenannte Originalkünstler.
Liebe Grüße
Ronny F

Jooce
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Jooce » Mittwoch 29. Oktober 2014, 13:51

Hallo Marc,
deine Angaben und Datierungen zur EUROPA hitparde sind korrekt. Man könnte noch ergänzen, dass einige Teile in den 1970ern auch auf 8Track-Cartridge erhältlich waren. Die LP-Reihe endete tatsächlich 1984 mit Folge 51. In der MC-Hülle von No. 52 steht zumindest kein Hinweis mehr auf eine parallel erschienene LP. Ich sammle diese Serie aus dem gleichen Grund wie du, nämlich wegen der enthaltenen Hörspielmusik. Allerdings fehlen mir noch ein paar spätere Ausgaben. Dass die Serie bis Nr. 68 ging, lese ich hier zum ersten Mal. Falls es dir nicht zuviel Mühe bedeutet, mich interessieren von den Nr. 62 bis 63 und 66 bis 68 die MC-Bestellnummern. Könntest du sie hier posten? :roll:
rasira hat geschrieben:Wer verbirgt sich hinter dem Studioorchester Udo Reichel?
Das war ein Sammelpseudonym. Deutlich wird das schon daran, dass sich unter den Eigenproduktionen (gemeint sind die Nicht-Coverversionen auf den Hitparaden) immer wieder auch Aufnahmen befanden, die bereits auf anderen EUROPA-LPs mit anderem Interpreten-Namen veröffentlicht worden waren. Beispiele wären da die Musik von »The Air Mail«, »Orchester Jacques Romero«, »The Children Of Quechua« und viele andere. Der Name »Orchester Udo Reichel« war vielmehr ein Etikett um diese Wiederverwertungen zu verschleiern. Ob Frank Valdor auch dazu gehört, kann ich nicht bestätigen. Möglicherweise stimmt das, da er im Hause Miller Ende der '60er/Anfang der '70er wohl der produktivste Künstler war. Musikalisch/stilistisch gesehen, erkenne ich da aber keine Parallelen. Zudem kenne ich keine einzige offizielle Valdor-Aufnahme, die in die Hitparaden-Serie Einzug gehalten hätte. Valdor hat auch mehr so den Big Band-Sound àla James Last (German Easy Listening) produziert und im wesentlichen Medleys zusammengestellt.
rasira hat geschrieben:Wer weiss etwas über die Sänger?
Einen der männlichen Sänger konnte ich an seiner Stimme identifizieren. Es handelt sich um Wolfgang Kubach, der ab 1979 auch als Sprecher für die Serie »Die drei ???« in den wiederkehrenden Rollen von Patrick O'Ryan, Kenneth O'Ryan und Victor Hugeney zu hören war, sowie in einigen kleineren Rollen. Kubach war aber ursprünglich nur als Sänger bei Miller engagiert. Sein Spitzname war/ist »Das Stimmwunder von der Elbe«, aufgrund seines Sprachimitationstalentes. Er war bei vielen Cover-Versionen aus der Hitparaden-Reihe der Haupt-Imitator von Interpreten wie Heino oder Karel Gott. Auf manchen LPs wurde für ihn das Pseudonym »Fred Heiders« verwendet, bspw. »Fred Heiders singt Heinos große Erfolge u.a.«.

Viele Grüße
Stefan

Jooce
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Jooce » Mittwoch 29. Oktober 2014, 14:15

Jan R. hat geschrieben:Bert Brac war kein eigentliches Sammelpseudonym. Im wesentlichen war das der Hamburger Musiker Carsten Bohn (Frumpy, Bandstand). Er ist auf über 170 Europa-Hörspielkassetten zu hören - bis auch andere, u.a. Heikedine Körting, damit begannen, sich dieses Namens zu bedienen. Das führte dazu, dass die Tantiemen nicht mehr sauber zugeordnet werden konnten.
Das stimmt nicht ganz genau. Bert Brac war ein Sammelpseudonym. Die Verwendung dieses Namens auf LPs der Miller International geht zurück bis Mitte der 1960er Jahre, genau wie sein Pendant »Claudius Brac«.
Das Pseudonym »Claudius Brac« wurde im Jahr 1966 geschaffen, um die Skript- und Regieangaben der ersten Hörspielproduktionen zu kennzeichen. Es steht für den Wort-Produzenten Prof. Dr. Andreas Erich Beurmann (Skripte) und seine damalige Lebesgefährtin Sieglinde Dziallas (Regie). Nach dem plötzlichen Tod von Frau Dziallas und dem damit verbundenen Regiewechsel an Konrad Halver wurde »Claudius Brac« nicht weiter verwendet. Anders dagegen das Pseudonym »Bert Brac«, welches für die Musikangaben herhalten musste. Es wurde fast durchgängig bis in die frühen 1980er Jahre sowohl bei Hörspielen als auch bei Musikveröffentlichungen benutzt, bis es dann von neueren Pseudonymen abgelöst wurde.

Warum wurde überhaupt das Pseudonym »Bert Brac« verwendet? Nun, das hatte lizenzrechtliche Gründe. Der Name »Bert Brac« war bei keiner Verwertungsgesellschaft (z.B. GEMA) als Mitglied gemeldet. Daher hatte die GEMA nicht den Auftrag für diesen Künstler Gebühren bei der Miller International einzufordern. Im Endeffekt bedeutete dies eine Kostenreduktion bei der Herstellung/Vermarktung von Hörspielen und Musikveröffentlichungen. Einnahmen für Bert Brac gab es nicht, aber entsprechend auch keine Ausgaben. Somit sind streng genommen alle unter Bert Brac deklarierten Musikstücke »GEMA-frei« (Hinweis: das ist nicht zu verwechseln mit urheberrechtsfrei/public domain).

Bzgl. Carsten Bohn war es so, dass für seine Musik das seinerzeit bereits existierende Pseudonym weiterhin angewendet wurde. Vertraglich war mit Bohn ausgemacht, dass er GEMA-freie Musik für Hörspielproduktionen abliefern sollte. Zur Verschleierung der wahren Autorenschaft wurde entsprechend »Bert Brac« auf die Hüllen gedruckt. Mitte der 80er Jahre hat Carsten Bohn dann seine Musik nachträglich bei der GEMA als seine Kompositionen angemeldet, was einen fast 25 Jahre andauernden Rechtsstreit über nicht ausgezahlte Tantiemen zur Folge hatte. Bohn hat dieses Verfahren letztinstanzlich gewonnen. Allerdings hat Sony (Rechtsnachfolger der Miller International) postwendend zurückgeklagt, um sich das Geld wg. Vertragsbruchs samt Zinsen zurückzuholen, da Bohn sich nicht daran gehalten hätte, GEMA-freie Musik zu produzieren.

Die Quelle auf die ich mich bzgl. der Angaben zu »Bert Brac« berufe ist der Urteilstext vom OLG Hamburg aus dem Jahr 2008 zum Prozess »Sony gg. Carsten Bohn« vor, den Bohn verloren hat. Ob er Rechtsmittel dagegen eingelegt hat, ist mir allerdings nicht bekannt. Wie auch immer, jedenfalls wird dort haarklein auseinandergesetzt, dass die Verwendung von »Bert Brac« allein dazu gedient hat, Kosten bei der GEMA einzusparen. Selbiges gilt entsprechend auch für das Schwester-Pseudonym »Betty George«, das im Wesentlichen Platzhalter bei symphonischen Orchestermusiken war.

In Hörspielkreisen wird oft behauptet, dass Bert Brac äquivalent zu Dr. Beurmann und Betty George zu Heikedine Körting sei. Das mag stimmen. Aber Tantiemen haben wohl beide nicht von der GEMA erhalten, da beide Pseudonyme nicht bei der GEMA als Mitglieder registriert sind.

Viele Grüße
Stefan

rasira
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von rasira » Mittwoch 29. Oktober 2014, 16:03

Jooce hat geschrieben:Hallo Marc,
deine Angaben und Datierungen zur EUROPA hitparde sind korrekt. Man könnte noch ergänzen, dass einige Teile in den 1970ern auch auf 8Track-Cartridge erhältlich waren. Die LP-Reihe endete tatsächlich 1984 mit Folge 51. In der MC-Hülle von No. 52 steht zumindest kein Hinweis mehr auf eine parallel erschienene LP. Ich sammle diese Serie aus dem gleichen Grund wie du, nämlich wegen der enthaltenen Hörspielmusik. Allerdings fehlen mir noch ein paar spätere Ausgaben. Dass die Serie bis Nr. 68 ging, lese ich hier zum ersten Mal. Falls es dir nicht zuviel Mühe bedeutet, mich interessieren von den Nr. 62 bis 63 und 66 bis 68 die MC-Bestellnummern. Könntest du sie hier posten? :roll:
Viele Grüße
Stefan
Servus Stefan,

hier die Bestellnumern zu den besagten MCs:
Europa Hitparade 62 - Bestellnummer 5107061
Europa Hitparade 63 - Bestellnummer 5107180
Europa Hitparade 66 - Bestellnummer 5107377
Europa Hitparade 67 - Bestellnummer 5107466
Europa Hitparade 68 - Bestellnummer 5107512

Viele Grüße,
Marc

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waelz
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von waelz » Mittwoch 29. Oktober 2014, 16:06

Frank Valdor war ab 1966 für Miller Intenational tätig, und zwar als freier Produzent. Er produzierte im wesentlichen für die Midpricealben. Der Auftrag lautete, bestimmte Sounds zu kopieren. Valdor verwendete für jedes Genre ein anderes Pseudonym: "Buzzy Green and his Nashville Seven" und "Nashville Ramblers" für Country, "Gogo Jackson" für den damals angesagten Beat und eben "Udo Reichel" für die Coverversionen der bekannten Hits. Sie wurden laut Valdor damals alle von Heidi Thuns und Wolfgang Kubach gesungen, der später auch Sänger in der Liveband war. Die Coverplatten verkauften sich im sechsstelligen Bereich!

Jooce
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Re: Europa Hitparade von Europa/Miller

Beitrag von Jooce » Mittwoch 29. Oktober 2014, 16:22

Danke für die Bestellnummern.

Du fragtest noch, ob es weitere Ausgaben gegeben hat. Ich denke, dass da - wenn überhaupt - nicht mehr viel nachgekommen ist. Von 1969 bis 1989 war Miller International eine Tochtergesellschaft der MCA. 1989 fusionierte Miller mit Ariola (eine Bertelsmann-Tochter). Dieser Zusammenschluss firmierte dann unter »BMG Ariola Miller«.
Dieser Zusammenschluss führte nach einer Einführungsphase zur Neuordnung der Geschäftsfelder. Ab ca. 1990 wurden dann die Hörspiele (auch ältere Ariola-Produktionen) unter dem Label »EUROPA« vertrieben, während der Musiksektor und die Witzeproduktionen (z.B. Fips Asmussen) unter »Ariola Express« veröffentlicht wurden. Die frühere EUROPA-Klassik wurde in der Folge unter »BMG« oder »Ariola Express« gelabelt.

Jedenfalls nach dem Wechsel der Musik-Sparte zur Ariola war spätestens Schluss mit der EUROPA-hitparade.

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