Jürgen Draeger verstorben

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avo
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Jürgen Draeger verstorben

Beitrag von avo » Dienstag 20. April 2021, 16:03

Bereits am 4.12.2020 ist Jürgen Draeger in Berlin verstorben.
1969 erschienen zwei Singles von ihm bei der Firma Telefunken: "Ich bin happy" und "Du kannst alles von mir haben/Halt Dein Girl mit beiden Händen fest"
Außerdem war er bei einigen Polydor EP Covern "Coverboy".
Er war vor allem aber auch Schauspieler, Maler und Zeichner und verwaltete das Erbe seines Lebensgefährten Bruno Balz.

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Re: Jürgen Draeger verstorben

Beitrag von Manfred » Dienstag 20. April 2021, 17:23

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TELEFUNKEN präsentiert: Jürgen Draeger

Außergewöhnliche Karrieren in einem außergewöhnlich harten Beruf sind dann besonders selten, wenn zwei wohl unumgängliche Dinge fehlen: Geld und Beziehungen. Und wenn es dann aber doch einem echten Außenseiter gelingt, alle Barrieren zu überspringen, aus dem Nichts aufzutauchen, dann nur mit einer Riesenportion Mut, Fleiß und Talent, dann macht es große Freude, diesen Namen zu nennen: Jürgen Draeger.

Wenn man heute den Namen dieses erfolgreichen Schauspielers hört, kann man sich bei seiner Popularität kaum vorstellen, daß vor Jahren niemand daran dachte, diesen talentierten jungen Mann auch nur für die kleinste Rolle zu engagieren.

Die Geschichte seines Lebens und seiner Laufbahn erinnern fast an eine sozialkritische Geschichte:
In Berlin wurde er geboren. Die Wohnung zerstörte ein Bombenangriff total. DerVater starb nach der Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft. Die Mutter, eine jener besonders tapferen und liebenswerten Frauen, hauste mit ihrer kleinen Tochter Gerlinde und ihrem 10jährigen Sohn Jürgen in einem winzigen Zimmer im Hinterhof irgendwo im grauen Berliner Häusermeer, ohne Hoffnung und ohne Sonne und nur mit einer armseligen Sozialunterstützung. Natürlich versuchte Jürgen, Mutterns Haushaltsgeld etwas aufzubessern.

Nach dem Verlassen der Schule gab es nur die Möglichkeit, schnell einen praktischen Beruf zu erlernen, und so folgten 3 Jahre Lehrzeit als kaufm. Angestellter und 1 Jahr Berufspraxis. Doch die magere Bezahlung zwang ihn dazu, als Maschinist in einer Fabrik zu arbeiten.

Jürgen Draeger faßte mit 21 Jahren endlich den Entschluß, seinen heimlichen Wunschtraum, Schauspieler zu werden, zu verwirklichen.

Die prominente Berliner Schauspiellehrerin Marlise Ludwig hatte beim ersten Vorsprechen Jürgens Talent sofort erkannt und ihn gleich angenommen.

Nachts arbeitete er dann in der Fabrik, und am Tage nahm er Schauspielunterricht. Mit einem alten Fahrrad pendelte er bei jedem Wetter zwischen beiden Stationen. Wenig Schlaf, verzweifeltes künstlerisches Ringen - nur der Glaube, eines Tages aus dieser Misere herauszukommen, gaben ihm die Kraft, das zu überstehen.

Nach drei Studienjahren und hervorragendem Abschlußexamen, aber ohne Engagement, gehörte Jürgen Draeger plötzlich zu diesem Heer verzweifelter, arbeitsloser junger Schauspieler. Unbekannt und hungernd begann der Kampf und das Betteln um die kleinste Rolle. Doch es gab immer Gründe, von Produzenten und Regisseuren ab¬gelehnt zu werden. Das deprimierende Klinkenputzen schien kein Ende zu nehmen.

Eine Zeitungsnotiz über ein interessantes Filmvorhaben veranlaßte Jürgen Draeger, sich an die Autobahn zu stellen und per Anhalter nach Hamburg zu trampen, um sich dem Regisseur Jürgen Roland vorzustellen. Und da geschah das Wunder: Regisseur Roland erkannte sofort die außergewöhnliche Begabung und gab Jürgen Draeger mit einer Hauptrolle in dem dann später preisgekrönten Film POLIZEIREVIER DAVIDSWACHE die große Chance.

Nach der Uraufführung war der Erfolg für Jürgen sensationell. Kritik und Publikum waren sich einig: Das war die Entdeckung des Jahres.

Von Angeboten überhäuft, drehte Jürgen Draeger in knapp 4 Jahren 10 Filme, 23 Fernseh¬spiele und spielte Theater. Er wurde nicht nur der gefragteste unter den Schauspielern seiner Generation, sondern auch der beliebteste.

Sein Geheimnis: seine große Spontaneität und die Ehrlichkeit, mit der er seine Rollen spielt. Seine Leidenschaftlichkeit und sein Temperament - und das spürt das Publikum! Er macht nichts vor, und er täuscht nicht. Und genauso zeigt er sich auch in seinem musikalischen Debüt; ohne falsche Masche stellt er sich offen und ehrlich und vor allem sympathisch, so wie man Jürgen Draeger kennt und liebt. Diese, seine erste Platte, beweist sein Talent als Sänger - aber er wird es sich auf den Lorbeeren seines Ruhmes nicht bequem machen, sondern weiter unermüdlich an sich arbeiten und sich's auch im Reich der leichten Muse rechtschaffend schwer machen.
Ein guter Einfall ist wie ein Hahn am Morgen. Gleich krähen andere Hähne mit (Karl Heinrich Waggerl).

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