Ralf Paulsen gestorben

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Bruno
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Ralf Paulsen gestorben

Beitrag von Bruno » Freitag 27. Februar 2015, 13:59

"Tränen in deinen Augen" - Bonanza und viele andere.
Mit diesen Titeln wurde Ralf Paulsen in den 50ern und 60ern bekannt.
Gestern starb er im Alter von 85 Jahren in Berlin

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Manfred
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Re: Ralf Paulsen gestorben

Beitrag von Manfred » Freitag 27. Februar 2015, 17:54

Ralf Paulsen:
Solist mit Pistole, Chorist mit Baß
Von Wälz Studer

Ralf Paulsen gilt als „Cowboy vom Dienst“. Er wird identifiziert mit dem Hit „Bonanza“ aus dem Jahre 1963. Paulsen sang ab 1958 Baß in diversen Vokalformationen von Botho Lucas wie zum Beispiel dem „Lucas-Quartett“ oder den „Ohayos“. Die Solo-Karriere verlief bis 1967 quasi nebenberuflich. Im Hauptberuf war Paulsen Sänger in Gesangsformationen von Botho Lucas.
Das große Idol für den jungen Udo Leidolt (* 03.04.1929 in Berlin) hieß Macky Kasper. So wie dieser gefeierte Trompeter wollte er sein Instrument dereinst auch beherrschen. Deshalb schrieb er sich 1948 in der Hochschule für Musik in Berlin ein, wo er Trompete und Klavier studierte. Einer seiner Klassenkollegen von damals hieß Horst Jankowski.
1951 schloß Leidolt das Studium ab. Anschließend spielte er in verschiedenen Orchestern, nachdem er bereits während der Ausbildung bei mehreren Tanzbands und in Bläsersätzen von Big Bands mitgewirkt hatte. Drei Jahre war der Trompeter Udo Leidolt in der Berliner Szene aktiv. 1955 ging er zurück zur Musikhochschule. Diesmal ließ er seine Stimme schulen. Der volle Baß fiel schnell auf. Udo Leidolt trat bei öffentlichen Veranstaltungen und bei Rundfunksendungen auf. Vor allem aber machte er Plattenaufnahmen für Warenhauslabels. Einerseits handelte es sich dabei um Nachzieherproduktionen von aktuellen Hits und andererseits um Volkslieder. Solche Einspielungen entstanden für Neckermann, den Europäischen Bücherklub und den Bertelsmann Verlag sowie einen Hersteller von Schuhen. Als Interpretenname erscheint teilweise dabei Udo Leidolt, aber auch schon Ralf Paulsen.

Entdecker: Werner Müller
Die ersten nennenswerten Produktionen unter dem Künstlernamen Ralf Paulsen erschienen 1956 auf dem ostdeutschen Label „Amiga“ („O Jenny, er war dir so treu“). Bei den Aufnahmen begleitete ihn unter anderen das Orchester von Adalbert Lutter. Ein Teil dieser Titel ist später für den Westen von „Ariola“ übernommen und veröffentlicht worden. Fast parallel zur Amiga-Single sang Paulsen ebenfalls 1956 zusammen mit dem Orchester von Werner Müller das Lied „Singe Colombino“ für den Rundfunk. Müller war von Paulsen derart begeistert, daß er ihm einen Plattenvertrag mit der „Polydor“ verschaffte. Er produzierte mit dem Künstler die erste Single („Das Kreuz des Südens“) in Deutschland-West. Bereits die zweite Single („33 Tage keinen Hafen“) drang 1958 bis auf Platz 15 der deutschen Hitparade vor. Die Funkaufnahme von „Singe Colombino“ wurde später ebenfalls auf Platte veröffentlicht. Paulsen hat in Interviews erwähnt, „Singe Colombino“ wäre seine erste Plattenaufnahme gewesen. Dies ist nicht richtig. Richtig ist, daß es eine der ersten Funkaufnahmen überhaupt war, die je auf Schallplatte veröffentlicht worden ist.

1958: Mitglied im Lucas-Quartett
Als seine ersten Platten in Westdeutschland herauskamen, war Paulsen gemäß eigenen Angaben Mitglied der Ostberliner Vokalformation „Ping Pongs“ (Fachleute in Sachen Vokalformationen wie Herr Dietrich Heitz zweifeln diese Aussage allerdings stark an). 1957 wechselte er in den Westen zur Gruppe von Botho Lucas. Dieser hatte sein erfolgreiches Trio aufgelöst und stellte 1958 das „Lucas-Quartett“ (zeitweise bestand es aus fünf Sängern) zusammen: Ihm gehörten Botho Lucas (Bariton), Bernd Golonski (Tenor), Günter Vogel (2. Tenor), Günter Kallmann (Baß) und Ralf Paulsen (Baß) an. Das Quartett arbeitete vor allem als Studio- und Bühnenchor. Es nahm auch selbst Platten unter dem Namen „Lucas-Quartett“ auf, verwendet wurden ferner diverse andere Namen wie „Rangers“, „Ohayos“ (Hit 1959: „Die Rose von Kansas“), „Treue Husaren“ oder „Carawells“. Auch bei Produktionen des „Musikanten-Quartetts“ wirkten sie zeit- und teilweise mit, je nach Bedarf der Stimmlagen.
Paulsen ist auf den Gruppenbildern praktisch nie zu sehen, weil er sich wegen seiner solistischen Ambitionen nicht gerne fotografieren ließ.

Episode als „Tom-Dooley-Trio“
Die Lucas-Truppe gehörte bald zu den meistbeschäftigten in der Branche. Dennoch fand Paulsen Gelegenheit, seine solistischen Versuche fortzusetzen. Bei den ersten vier Singles hatte Werner Müller als Produzent fungiert. Ab 1958 übernahm Werner Cyprys in Hamburg diesen Job. Als erstes durfte Paulsen bei einer Aufnahme der „Teddies“ mitwirken, einer Vokalformation, der auch Cyprys angehörte. Der Titel hieß „Kari waits for me“ und klassierte sich in der Folge drei Monate lang in den deutschen Charts (höchste Notierung auf Platz 17). Als nächstes setzte Cyprys Paulsen, Golonski und Kallmann ein, um „Tom Dooley“, den Erfolg der „Nilsen Brothers“, zu covern. Er taufte die drei Mitglieder des „Lucas-Quartetts“ für diese Aufnahme in „Tom-Dooley-Trio“ um.
Erfolg dank Kurt Feltz
Auch Werner Cyprys brachte die Solokarriere nicht voll auf Touren. Dieses gelang erst dem nächsten Produzenten: Kurt Feltz. Er übernahm das „Lucas-Quartett“ und Ralf Paulsen im Jahre 1959. Feltz schrieb einen deutschen Text zum John-Buck-Hit „Chi Chi“ und ließ ihn von Ralf Paulsen singen. Der Titel „Tränen in deinen Augen“ klassierte sich 22 Wochen in den deutschen Charts und machte Paulsen zu einem hoffnungsvollen Nachwuchsstar. Ein Newcomer, der wenig Zeit für seine solistischen Aktivitäten aufbrachte, da er fest verpflichtet in der Vokalformation von Botho Lucas war. „Ich war im Chor und konnte nicht weg für Engagements. Ich absolvierte kaum Live-Auftritte damals. Das war meiner Solokarriere abträglich“, bedauert Paulsen heute.

1963: Bonanza
Einen zweiten Schub erhielt die Solokarriere von Paulsen 1962, als wiederum Chor wie Solist zur „Electrola“ wechselten. Heinz Gietz hatte sich von Kurt Feltz getrennt, ging zur „Electrola“ und Botho Lucas / Ralf Paulsen folgten ihm. Als erste Single erschien Ende 1962 die heute legendäre deutsche Fassung von „Bonanza“. Die Titelmelodie der Westernserie machte den seit kurzem in Oberbayern wohnhaften Künstler zum Star. Der Hit ließ Paulsen zum ersten deutschen Country-Star werden, ein Image, das ihm bis heute anhängt.
In der Folge nahm Gietz verschiedene Titelstücke bekannter TV-Serien mit Paulsen auf: „Ivanhoe“, „Fury“, „Bronco“. Der Erfolg von „Bonanza“ stellte sich nicht wieder ein. Paulsen dazu: „Es kam der Umbruch in der Musik, den die „Beatles“ verursachten. Meine Platten blieben in den Regalen liegen. Ich hab’ dann 1967 nochmals versucht, die Kurve zu kriegen. Ich tat mich mit Nils Nobach zusammen, der mir ein neues Image verpassen wollte. Aber auch mit „Love in Blue“ hat es nicht geklappt.“

Heino überrundet Ralf
1967 war ein entscheidendes Jahr: Der Vertrag mit der „Electrola“ lief aus, und die Zusammenarbeit mit Botho Lucas ging zu Ende. Daß kein neuer Plattenvertrag zustande kam, war weniger dem Mißerfolg von Paulsen zuzuschreiben als vielmehr dem Erfolg eines anderen Künstlers: Heino. Paulsen: „Ja, 1967 kam Heino. Hatte ebenfalls eine dunkle Stimme und hatte vor allem Erfolg. Der Bendix hat das ganz schön im Griff gehabt. Als der damals kam, war das Studio gleich ‘ne ganze Woche lang blockiert.“
Paulsen spricht von einem Abstieg ab Mitte der 60er Jahre: „Bis Mitte der 60er Jahre war ich der Mann mit der tiefen Stimme gewesen. Überallhin haben sie mich geholt für Plattenaufnahmen, nach Berlin, Hamburg oder Frankfurt. Je größer der Erfolg von Heino wurde, desto stärker ging’s mit mir bergab. Ich mußte tingeln, durch die kleinsten Klubs. Etwas, was ich bisher überhaupt nicht gekannt hatte.“
Plattenmäßig ging nach der „Electrola“-Zeit wenig, aber um so interessanter: 1969 produzierte Paulsen in eigener Regie für „Cornet“ die LP „Kerle, Kumpels, Kameraden“, die 1979 von „Acanta“ neu aufgelegt worden ist. 1970 erschien ferner eine LP im Duett mit Nana Gualdi, von der besonders der Titel „Sommerwein“ Furore machte.

70er Jahre - Musical-Jahre
Die Butter aufs Brot verdiente sich Paulsen in den 70er Jahren nicht mehr mit Platten- und Studioarbeit, sondern mit Bühnenauftritten. Als diese geringer wurden, landete Paulsen 1973 beim Musical. Jahrelang spielte er eine Hauptrolle in „Oklahoma“ und später in „Heimweh nach St. Pauli“. Platten entstanden erst wieder ab 1978. Damals trat er mit der deutschen Aufnahme des Leonard-Cohen-Titels „Suzanne“ an die Öffentlichkeit. Zum ersten Mal ließ er sich Musik und Text nicht mehr von anderen schreiben, sondern vertraute auf das eigene Können. Seit 1981 veröffentlicht Paulsen regelmäßig Singles auf den Labels „Ranger Records“ und „BRM“, die meist im Studio von Ady Zehnpfennig eingespielt werden.

Paulsen: Deutschlands erster Countrysänger
Die Karriere von Ralf Paulsen entbehrt der Tragik nicht. Solange es bei ihm als Solist gut lief, war er eingebettet in das ebenfalls erfolgreiche Ensemble von Botho Lucas. Als er nach zehn Jahren das traute Nest der Gesangsformation verließ und sich auf seine solistischen Aktivitäten konzentrierte, tauchte Heino auf, der von Stund’ an die Rolle des Mannes mit der tiefen Stimme beim Publikum übernahm. Paulsen verkaufte in der Folge weiter erfolgreich sein Image als „Cowboy vom Dienst“. Er kann heute als einer der ersten Countrysänger Deutschlands bezeichnet werden. 1996 erhielt er einen Platz in der „Music Hall of Fame Germany“ zugesprochen.

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Re: Ralf Paulsen gestorben

Beitrag von waelz » Donnerstag 1. Oktober 2015, 10:27

Ralf Paulsen hat im Film "La Paloma" einen Auftritt gehabt. Hat er dort den Titel "Das Liebeslied des Gondoliere" gesungen?

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walter h.
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Re: Ralf Paulsen gestorben

Beitrag von walter h. » Donnerstag 1. Oktober 2015, 12:42

Den Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen, aber wenn ich mich recht erinnere, tritt Ralf Paulsen mit 2 weiteren Sängern als Trio auf und singt den Titel "Tom Dooley".
Das offizielle "Tom Dooley Trio" bestand aus Bernd Golonski, Günter Kallmann und Ralf Paulsen. Ob es sich im Film bei den beiden anderen um Golonski und Kallmann handelt, kann ich nicht sagen. Dass im Film der "Gondoliere-Schlager" erklingt, würde ich eher bezweifeln, kann es aber auch nicht ausschließen.

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Re: Ralf Paulsen gestorben

Beitrag von RF-Musiker » Samstag 17. Oktober 2015, 19:53

Ich hatte mal eine CD mit Medleys gekauft, diese waren meist die für Fernsehshows produzierten Vollplaybacks, was man an der fernsehtypischen Abstimmung erkannte.
Auf dieser sang Ralf Paulsen Titel von Ronny (Wolfgang Rohloff).
Liebe Grüße
Ronny F

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