Kurt Stelly

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Kurt Stelly

Beitrag von waelz » Dienstag 28. Juli 2009, 04:01

Kurt Stelly hat auf Polydor etliche Singles veröffentlicht. Er soll aber auch auf Metronome und Teldec Platten herausgebracht haben. Wer kennt diese Titel?

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Re: Kurt Stelly

Beitrag von waelz » Dienstag 28. Juli 2009, 23:40

Hier der erste Versuch einer Diskografie von Kurt Stelly: Vielleicht kann sie jemand durch Autorenangaben oder Originale ergänzen:

Diskografie Kurt Stelly

Metronome
330 Gina 1961 (?)
Silbermond


Polydor
52430 Wo kommt denn bloss die Liebe her 1964
Frag´ mich, bitte frag´mich
52473 Eine weisse Hochzeitskutsche (Duett mit Margot Eskens) 1965
Mutti, du darfst doch nicht weinen
52510 Leg deinen Kopf in meinen Arm 1965
Ciao for now
52553 Ein Kuss ist wunderbar 1965
Wie ich dich gern hab´
52583 Weil wir so romantisch sind (Duett mit Margot Eskens) 1965
Geh´ nicht an der Liebe vorüber (Duett mit Margot Eskens)
52641 Dann sah ich dich 1966
Wie kann man das vergessen


Teldec




Sinus
Wyk auf Föhr ????
Das schon früher so

CDU-Platte mit Dieter Thomas Heck
Wie lieben die CDU ????

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Re: Kurt Stelly

Beitrag von waelz » Donnerstag 10. Februar 2011, 12:26

Komme auf Kurt Stelly zurück:
Wer waren die Autoren von:
Leg deinen Kopf in meinen Arm
Weil wir so romantisch sind (Duett mit Margot Eskens)
Vielen Dank

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Re: Kurt Stelly

Beitrag von waelz » Donnerstag 10. Februar 2011, 16:49

Und auch hier die Geschichte des Kurt Stelly

Kurt Stelly:
Wie Kurt Who? ohne Hit im Schlagergeschäft überlebte

Kurt Who? Kurt Stelly aus Hamburg! Drummer bei der „Crazy Combo“ von Peter Beil. Sechs Singles für Polydor. Vertrag nicht verlängert wegen anhaltender Hitlosigkeit. Sänger bei Alfred Hause. Die Geschichte eines Sängers, der dank beruflicher Qualitäten auch ohne Hit 50 Jahre im Schaugeschäft überlebte.


Wälz Studer
„Eine Geschichte über Kurt, Kurt Who“? willst Du schreiben?“, fragten besorgt meine Kollegen. „Eine Geschichte über einen, der nichts erreicht hat in seiner Karriere?“
Alles richtig. Aber: Kurt Stelly ist der Gegenentwurf zu den Fast-Food-Künstlern der Branche. Einer von der alten Sorte, einer mit Ausbildung und hohem beruflichem Ethos. Einer, der beweist, dass Qualität im kurzlebigen Musikgeschäft durchaus ihren Platz hat. Diese Kurzlebigkeit ist im übrigen beileibe keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bereits Ende der 50er und zu Beginn der 60er Jahre veranstalteten die Plattenfirmen dutzende von Nachwuchswettbewerben, bei denen sie Klone von Elvis, Pat Boone oder Paul Anka zu finden hofften. Die Sieger erhielten einen Plattenvertrag und wurden mit viel Aufwand in der Fachpresse und bei den Rundfunksendern gehypt. Nach zwei, drei Singles war das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Künstler verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Namen? Teddy Palmer, Pichi, Peter Wegen oder Andy Ray….
Kurt Stelly traute die Branche mehr zu. Man gab ihm Nummern von Johnny Cash, Elvis Presley oder Dean Martin, die er auf deutsch covern durfte. Gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ritt in die Charts. Der Fehler: Elvis Presley, Dean Martin und Johnny Cash waren 1965 Vertreter einer untergegangenen Welt. Junge Wilde hatten einen neuen Sound in die Klubs gebracht, den Beat. Elvis war von gestern, keiner wollte ihn mehr hören. Wie sollte da ein deutscher Abklatsch reüssieren? Stellys Produzent hatte eine Sackgasse gewählt für den Artisten Kurt Stelly.

Musik als Weg aus der Not
Musik war zu Beginn der Karriere der Weg aus der Not, wie Kurt Stelly im Interview mit dem Schweizer Sender „Radio Munot“ in Schaffhausen ausführt: „Ich bin in der Musik hängengeblieben. Ich hatte ja keinen Beruf. So war ich froh, dass ich bei den Engländern im Klub Klavier spielen durfte.“ Es war eine wilde Zeit grad nach dem Krieg, als Kurt Stelly von der Front zurückkam. Hamburg lag in Trümmern, die Leute hatten nichts zu essen. Geld war keins vorhanden. Mit Klavierspielen hielt sich der noch nicht 20jährige über Wasser. Dank seinen Jobs bei den Engländer landete er in der Band von Bert Kämpfert.

Kurt Stelly, am 18.6.1927 in Hamburg geboren, hatte als Jugendlicher Klavier spielen gelernt. Diese Kenntnisse genügten für eine Profikarriere nicht, weshalb er am Konservatorium Trompete und Gesang studierte. „Ich musste damals Briketts mitbringen in den Unterricht, damit der Raum geheizt werden konnte“ gibt Stelly als Anekdote aus jener Zeit zum Besten.
Stelly tingelte als Sänger, Trompeter und Schlagzeuger durch die Hamburger Klubs. Längere Zeit war er Drummer in der Crazy Combo“, deren Sänger Peter Beil war. Er erinnert sich, dass in der Band auch von Goessel mitwirkte, die später als Moderatorin Karriere machte.
1961 gelang Peter Beil ein Riesenhit mit „Corinna, Corinna“. Die „Crazy Combo“ genoss nationales Medienecho. Stelly nutzte die Bekanntheit. Er erhielt bei der Metronome einen Termin zum Vorsingen und wurde sofort verpflichtet. Produzent Heinz Matschureit nahm mit ihm 1962 die deutsche Fassung der Johnny Mathis-Nummer „Gina“ auf. Die Single floppte, während Peter Beils Platten weiterhin hoch in den Charts standen.
Kurt Stelly spielte unterdessen Theater in der „Kleinen Komödie“. Hier entdeckte ihn Karl-Heinz Münchow, ein Produzent der Polydor und Ehemann von Margot Eskens.

Stelly wird von Margot Eskens’ Ehemann produziert
1964 nahm Münchow in Köln mit Stelly die erste Single auf. Die Nummer „Wo kommt denn bloss die Liebe her?“ war eine deutsche Version des Johnny Cash-Titels „I’d still be there“. Die Single verkaufte sich überdurchschnittlich und sollte die bestverkaufte Single von Kurt Stelly bleiben. Bereits beim nächsten Studiotermin stand Stelly mit Margot Eskens vor dem Mikrofon. Sie hatte zuletzt mit einem Remake des Benjamino Gigli-Erfolges „Mama“ einen Riesenhit gefeiert. Eskens sollte nun auf die Rolle als Interpretin von rührseligen Gross- und Schwiegermütter-Schnulzen festgelegt werden. Mit Kurt Stelly als Duettpartner entstand 1965 ein Remake der Nummer „Eine weisse Hochzeitskutsche“, mit der Renée Franke und Detlev Lais schon 1952 abgeräumt hatten. Das Lied stammt aus Frankreich und wurde 1950 im Original von André Claveau gesungen.
Kurt Stelly nahm im gleichen Jahr eine zweite Solosingle auf. Wie schon bei der ersten war auch diesmal mit „Ciao for Now“ ein italienischer Titel dabei. Das Original stammt von Virgilio Volpi, der damit in der italienischen Hitparade gelistet war. Auf der ersten Single hatte Stelly die Nummer „Io“ von Domenico Modugno als „Frag mich, bitte frag mich“ eingespielt. Interessant waren beide Nummern, weil sie von amerikanischen Stars wie Elvis („Io“ als „Ask me“) beziehungsweise von Dean Martin („Ciao for Now“) auf englisch gecovert worden waren.

Die alte Masche zieht nicht mehr
Polydor setzte weiter auf Stelly, obwohl die zweite Single weniger verkaufte als die erste. Mit dem Ronnie Dove-Renner „One Kiss for old Time Sake“ sollte eine amerikanische Nummer dem Hamburger Sänger zum Durchbruch verhelfen. „Ein Kuss ist wunderbar“ wird dem Sinn des Originals kaum gerecht. Dies sahen auch die Fans so. Die Scheibe floppte. Dennoch holte man Stelly im gleichen Jahr noch für eine vierte Produktion nach Köln. Es entstanden zwei weitere Duettnummern mit Margot Eskens, denen ebenfalls kein Erfolg beschieden war. Selbst gemeinsame Fernsehauftritte und eine kleine Tour verhalfen dem Duo nicht zum Durchbruch. Die Aera alter Schlagerstars wie Margot Eskens war abgelaufen. Acts wie Casey Jones, die Beatles oder Sam the Sham beherrschten die Szene.
Das Orchester von Robert Last (ab 1966 mit Pseudonym Kai Warner) hatte Kurt Stelly bei den vorhergehenden Produktionen begleitet. Mittlerweile hatte Roberts Bruder James mit seinen rhythmischen Produktionen den Plattenmarkt aufgemischt. Deshalb erhielt Robert Last 1966 einen Produzentenjob bei Polydor. In diesem Jahr stand Stelly ein letztes Mal im Studio. Wieder begleitete ihn das Orchester von Robert Last. Dieser konnte in der Produzentenfunktion auch seine eigenen Kompositionen vermarkten. Deshalb lag bei Stellys letzten Aufnahmen eine Last-Komposition auf dem Notenständer. Es half nichts: Auch „wie kann man das vergessen“ entwickelte sich nicht zu einem Hit.

Produzent Münchow hatte sich unterdessen von Polydor getrennt und baute eine eigene Produktion auf. Er wollte Stelly mit in seinen eigenen Stall nehmen, was dieser ablehnte. Um den Sänger entbrannte ein Streit zwischen Polydor und Münchow und liess diesen als Verlierer zurück. Stelly stand Ende 1966 ohne Plattenvertrag da. Und das sollte so bleiben. Stelly sagte im Interview mit „Radio Munot“ in Schaffhausen, dass er zu Beginn der 70er Jahre mit Michael Holm eine Single für Teldec aufgenommen habe. Die Single ist jedoch in keiner Fachzeitschrift aufgeführt, jedenfalls nicht unter dem Namen Stelly. Sie ist also entweder nicht veröffentlicht worden oder sie ist veröffentlicht worden, aber unter einem Pseudonym. Ein breites Feld für Forscher öffnet sich..

Stelly wird Bandsänger
In den 60er Jahren sang Stelly oft auf Kreuzschiffen. Er begleitete Zarah Leander auf einer der vielen Abschiedstourneen. In den 70er-Jahren verdiente er sich sein Geld als Bandsänger. Er sang im NDR-Orchester von Alfred Hause. „Ich beziehe von dort allerdings leider keine Rente, wie viele andere Kollegen“, ärgert sich Stelly heute. Damals fehlte ihm das nötige Sicherheitsdenken. Und er sang in den Kurorchestern an der Nord- und Ostsee. Bei dieser Arbeit entstand die letzte Single „Wyk auf Föhr“, eine Liebeserklärung an diesen Ferienort.
Mit einer anderen Single hat sich Kurt Stelly in Hamburg nicht nur Freunde geschaffen. Gemeinsam mit seinem alten Kumpel Dieter Thomas Heck liess er sich in den Wahlkampf für die CDU einspannen. Stelly sang das Lied „Wie lieben die CDU“. Auf der Umseite sprach Heck einen Werbetext für die Partei. Stelly hatte Heck auf einer Senderreise bei Radio Luxemburg kennengelernt. Dort übernahm er auf Fürsprache von Heck Urlaubsvertretungen als Moderator. Es scheint, als ob Heck für diesen Dienst später seinen Lohn eingefordert und damit Stelly zum Wahlkampfhelfer für die CDU gedrängt hätte.
Stelly zog sich in den 90er Jahre aus dem Musikgeschäft zurück. Seither widmet er sich der Malerei. Bilder von ihm werden immer wieder an Ausstellungen gezeigt.


Kurt Stelly hat 50 Jahre als Sänger und Musiker im Musikgeschäft überlebt. Nie stand er im nationalen Scheinwerferlicht. Und doch verpflichteten ihn grosse Orchester immer wieder als Sänger für Liveauftritte und für Rundfunkproduktionen. Die Profis erkannten seine Qualitäten: seine geschulte Stimme, seine Notenkenntnisse und seine Vielseitigkeit. Ein Profi, der in dem Geschäft überleben musste, weil er „ja nichts gelernt hatte“. Wer weiss, vielleicht wäre ein talentierter Sänger verloren gegangen, wenn er was gelernt hätte. Dann hätte es keine Geschichte über Kurt Who? gegeben.

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Re: Kurt Stelly

Beitrag von waelz » Donnerstag 10. Februar 2011, 16:50

..und noch etwas die Frage nach der Teldec-Single bleibt gestellt..

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Re: Kurt Stelly

Beitrag von waelz » Freitag 4. März 2011, 20:12

"Ciao for now" soll auf englisch nicht von Dean Martin eingesungen worden sein, wurde ich belehrt. Meine Nachforschungen deuten darauf hin, dass dies stimmen könnte. Gibt es einen Dean Martin-Experten hier?

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